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Was Reichtümer vermögen | Datum: 28.06.2002
by ATTAC und BEIGEWUM
autorIn: Andi Wahl
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Verlag: Mandelbaum
Erscheinungsdatum:
Preis: 13.90 Euro |
Gewinner und VerliererInnen in europäischen Wohlfahtsstaaten
Reichtum ist ein, man sollte es kaum glauben, sehr unerforschtes Phänomen. Weder gibt es eine verbindliche Definition, was Reichtum ist, noch gibt es verbindliche Zahlen, wieviel Reichtum in einem Land existiert und wie dieser Reichtum verteilt ist. Sicher ist nur, dass Reichtum in den letzten Jahrzehnten eine ungemein große Förderung durch die Politik erfahren hat. Vor allem auch in Österreich. Unser Land belegt im OECD-Vergleich den letzten Platz bei der Besteuerung des Vermögens. Dem steht eine ständig steigende Belastung des Faktors "Arbeit" gegenüber. Das von ATTAC und BEIGEWUM vorgelegte Buch ist in seinem Facettenreichtum und durch die Kompetenz der Beiträge eine wahre Wohltat, auch für Nicht- ÖkonomInnen. Siebzehn Autorinnen und Autoren beleuchten in ihren Beiträgen die unterschiedlichen Aspekte der herrschenden ökonomischen Doktrinen und ihre Auswirkungen. Dabei spannt sich der Bogen von philosophischen Betrachtungen über Reichtum und Armut über historische Abhandlungen zur Entwicklung der Reichtumsrechtfertigung bis hin zur genauen Analyse des ENRON-Skandals, an dem exemplarisch gezeigt wird, wie freie Marktwirtschaft funktioniert. Dabei geht es den Autorinnen und Autoren vor allem darum zu zeigen, wie sich Reichtum politische Durchsetzungskraft erringt und gesellschaftliche Bedingungen zu seinen Gunsten verschiebt.
Aus der Fülle der Beiträge möchte ich nur einen - stellvertretend für alle anderen - herausgreifen. Karl Bachinger geht unter dem Titel "Im Namen Gottes, der Gesellschaft und der Natur" der Ideengeschichte der Legitimation von Reichtum nach. Bachinger legt in diesem Beitrag offen, auf welche ideologischen Grundlagen sich neoliberale Wirtschaftstheoretiker stützen. Was dabei vor allem ins Auge springt, ist der unverschämte und unverblümte Aufguss alter Ideologien aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die derzeit als die modernsten Erkenntnisse gehandelt werden. Oftmals klingen derzeitige ökonomische Lehrsätze, die uns als die Spitze sozio-ökonomischen Wissens präsentiert werden, als ob sie direkt von Thomas Hobbes, John Locke oder Adam Smith abgeschrieben wären. Entgegen besseren Wissens wird noch immer behauptet, dass das Individualprinzip (Handle so, dass du als Person den größten Vorteil gewinnst.) letztendlich (durch die mobilisierten Produktivkräfte und Dynamiken) ein Segen für die gesamte Gesellschaft seien, und der Schlüssel zur Armutsbekämpfung.
Ein wunderbares Buch, das sich, durch die Abgeschlossenheit der Beiträge auch sehr gut für Bahnfahrten oder Badeausflüge eignet.
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