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Nationalsozialismus in Linz | Datum: 12.09.2001

autorIn: Andi Wahl
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Verlag: Archiv der Stadt Linz
Erscheinungsdatum: März 2001
Preis: ATS 490,- / EUR 35,60 für 2 Bände

Linz wäre nicht was es ist ohne die Aufbauarbeit des Nationalsozialismus. Diese Einsicht ist in der oberösterreichischen Landeshauptstadt bereits eine Binsenweisheit. Auch dass es unter manchen VOEST-Arbeitern bis weit herein in die Zeit der Zweiten Republik üblich war, am Führergeburtstag auf "Adi", wie Hitler beinahe zärtlich genannt wurde, anzustoßen, ist in dieser Stadt ein offenes Geheimnis. Auf jeden Fall weiß man hierorts, wem man die Umgestaltung eines Kaffs zu einer der wichtigsten Industriestädte Österreichs verdankt.
Immerhin war Linz die Patenstadt des Führers, wir waren also schon mal wer.

Mit diesem zwielichtigen, oft augenzwinkernden Verhältnis, das die Bevölkerung von Linz jahrzehntelang mit der Zeit des Nationalsozialismus verband, dürfte es nun endgültig vorbei sein. Dank der umfangreichen Publikationstätigkeit des städtischen Archivs. Innerhalb der letzten Jahre wurden vier Publikationen: "Entnazifizierung und Wiederaufbau in Linz"; "Bilder des Nationalsozialismus in Linz", "Deutschnational, Nationalsozialistisch, Entnazifiziert; Franz Langoth – eine NS-Laufbahn" und das kürzlich vorgelegte zweibändige Werk "Nationalsozialismus in Linz" herausgebracht. Letzteres bildet auch den formalen Abschluss einer seit 1996 laufenden intensiven Beschäftigung mit der Linzer NS-Zeit. Damals wurde in einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss das Archiv beauftragt, eine gründliche Dokumentation der sieben Jahre des Nationalsozialismus zu erstellen.

Die dafür gewidmeten 2,2 Millionen, die das Projekt kostete, nehmen sich angesichts des Outputs sehr bescheiden aus. Es handelt sich um umfangreiche Publikationen, die nicht nur den Ansprüchen der Fachwelt gerecht werden, sondern auch für interessierte Laien in verständlicher Form tiefere Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus bieten. Dies ist vor allem der Redaktionsarbeit der beiden Herausgeber, Dr. Mayrhofer und Mag. Schuster, sowie deren KollegInnen Dr. Schimböck und Dr. Schweiger zu danken. Besonders verdienstvoll ist das breite Quellenstudium, das für viele der Beiträge durchgeführt wurde. Dadurch war es möglich, nicht nur den Stand der Wissenschaft zusammenzufassen, sondern diesem auch neue Erkenntnisse beizufügen. Vor allem mit der Konzentration auf die kommunale Ebene wurde mit diesen Publikationen Neuland betreten. Mit Ausnahme von Wien, gibt es für keine österreichische oder deutsche Stadt vergleichbare Publikationen.

Durch die Beleuchtung unterschiedlicher Facetten, wie NS-Gesundheitspolitik, NS-Fürsorge und Sozialpolitik, Zwangsarbeiter, Führermuseum, Frauen, NS-Kommunalpolitik und vieles andere mehr, werden der historischen Diskussion wertvolle Mosaikstücke zum Gesamtbild der NS-Zeit hinzugefügt.

Alles in allem, eine beispielhafte Betrachtung des Nationalsozialismus auf kommunaler Ebene, und für historisch Interessierte schwer zu empfehlen.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit den beiden Herausgebern in Ressort Stadt und Land.

Derzeit findet an der Volkshochschule Linz eine Vortragsreihe zum Thema statt.

Links:
Buch bestellen
Interview mit Walter Schuster (Hg.)
Weitere Informationen
Veranstaltungsreihe der VHS


Keiner wusste davon, bleiben wir bei dieser offiziellen Version.
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