Präziser Terror
Datum: 11.04.2003
autorIn:Gitti Hell
++++++++++
Schock, Terror und Präzisionswaffen: Auch der Irakfeldzug geriet zu einer mörderischen "Leistungsschau" der Rüstungsindustrie.
"Shock and Awe" heißt die neue Strategie der US-Militärs, die in den vergangenen Wochen im Irakkrieg angewandt wurde. Übersetzt wird das mit "Angst und Entsetzen" oder mit "Schock und Ehrfurcht", oder mit "Schock und Lähmung". Gemeint ist: Durch eine überlegene massive Bombardierung sollen der militärische Gegner und die Zivilbevölkerung gleich zu Beginn des Krieges eingeschüchtert und zermürbt werden. Es ist eine Strategie des Terrors.
Im Leitbild "Joint Vision 2020" der US-Streitkräfte steht dazu: "Wenn unsere Armee schneller, tödlicher und präziser sein soll, dann müssen wir neue militärische Fähigkeiten entwickeln und dahingehend investieren."
Zu diesem Zweck werden vermehrt teure Präzisionswaffen eingesetzt, die der Weltöffentlichkeit einen sauberen Krieg vorgaukeln und dem KriegsgegnerInnen signalisieren: "Wo auch immer du dich versteckst, wir treffen dich - punktgenau."
Neben dem Trend "Präzisionskampf" kommt aber auch die "Effektorientierung" ("Joint Vision 2020") dazu. Das heißt mehr Schläge und härtere Schläge, ganz im Sinne der "Schock und Entsetzen"-Strategie der Militärplaner um General Richard Myers und Pentagon-Chef Donald Rumsfeld. Ausgeburten dieses Denkens sind die mehrere Tonnen schweren Daisy Cutter- und Mother of all Bombs-Bomben, die mit ihrer Rauchentwicklung wie bei einem Atompilz Furcht verbreiten. Bei der Explosion töten sie im Umkreis von hunderten von Metern durch Überdruck und Sauerstoffentzug alle Lebewesen. Zudem setzten die USA im Irakkrieg erstmals sogenannte Streubomben ein.
Piers Wood von "GlobalSecurity.org", einem amerikanischen sicherheitspolitischen Thinktank, beschreibt die neue Waffentechnologie gegenüber "Cox News Service" so: "Das ganze Ding ist eingebettet in die Psychologie von Angst und Terror."
Diese Terrorstrategie stehe nicht im Einklang mit dem Völkerrecht, erklären KritikerInnen von antimilitaristischen- und Menschenrechtsorganisationen. Das erste Zusatzprotokoll der Genfer Konventionen verbietet den Krieg führenden Staaten, die Bevölkerung zu terrorisieren. Prinzipien des humanitären Völkerrechtes wie Verhältnismäßigkeit, kein übermäßiges Leid und keine unterschiedslose Wirkung zu verursachen, können mit diesen Waffen nicht eingehalten werden.
Im Folgenden eine Auswahl der von der US-Armee u.a. im Irak eingesetzten Waffen und der von ihnen erzielten Wirkung, die vielfach der von Massenvernichtungswaffen nahe kommt. (Quelle: Freitag 14, Berlin)
Zur Raubtierjagd entwickelt - M- 16 Gewehr
Die Waffe verursacht schwerere Verletzungen als andere Gewehre, das kleinere Kaliber - es wurde aus einer Jagdkugel zur Raubtierjagd entwickelt - dringt langsamer in den Körper ein und gibt deshalb mehr Energie in der Wunde ab. Die Entwicklung des M-16 Gewehrs geht noch auf den Vietnam-Krieg zurück - ein schwer verwundeter Gegner könnte im Dschungel nur schlecht oder gar nicht versorgt werden, meinten die Erfinder in den USA.
In den Gräben pulverisiert - Raketenwerfer MLAS
Wie schon während des Golfkrieges 1991 setzt die US-Armee wieder auf ihre Artillerie, besonders Raketenwerfer, die eine Feuerkraft von 30 schweren Kanonen haben. Jede Salve von zwölf Raketen zerlegt sich über dem Ziel in 8.000 Einzelgeschosse. Irakische Soldaten, die ihre Deckung verlassen, bevor das Hauptgeschoss detoniert, sterben im Feuerhagel. Wie viele Irakis schon 1991 durch MLAS-Geschosse pulverisiert wurden, ohne einen Schuss abgegeben zu haben, wurde nie bekannt.
Verbrannte Nervenenden - Napalmbomben
Sie werden nach ihrem verheerenden Einsatz im Vietnamkrieg (1965 - 1972) über dem Irak abgeworfen, um Minenfelder in Brand zu setzen und irakische Stellungen einzuäschern. Der Tod kommt für die Soldaten in einem Feuerball innerhalb von Sekunden. Wer überlebt, leidet furchtbar. Wenn an Napalm-Brandwunden die Haut wieder zu wachsen beginnt, wachsen auch die verbrannten Nervenenden. Der Schmerz mindert sich nicht - er wird im Todeskampf von Tag zu Tag schlimmer.
Im eigenen Blut ertrunken - Benzinbomben
Diese Waffenart ist seit 1976 durch die UNO geächtet. Das hat US-Generäle nicht davon abgehalten, sie im Irak erneut einzusetzen. Werden Benzinbomben gezündet, dringt eine explosive Wolke in jeden Schützengraben und jeden Bunker, dann folgt eine lang anhaltende tödliche Druckwelle. Die lässt die Lunge zerplatzen, Blut füllt die Luftsäcke, der Mensch ertrinkt in seinem eigenen Blut. Es sei medizinisch das Gleiche, ob die Lunge durch chemische Waffen oder eine solche Druckwelle zerstört werde, sagen Experten.
Bis 80 Meter tief - Bunker Buster
Die seit 1997 gebaute Fliegerbombe B 61-11 - sie kann mit einem Nuklearsprengkopf versehen werden - zielt auf die Vernichtung von unterirdischen Waffendepots und Bunkern. Mit einer Sprengkraft bis zu 300 Kilotonnen TNT kann sie bei einem Abwurf aus geringer Höhe bis 80 Meter tief in die Erde eindringen und meterdicke Betonwände durchschlagen. Noch bei Abwürfen aus 12.000 Metern Höhe bohrt sich die Bombe sieben Meter tief in das Erdreich - durch die Druckwelle der Detonation besteht keine Überlebenschance.
50.000 Quadratmeter leer gesprengt - Streubomben
Diese ebenfalls international geächtete Waffe wurde bisher über irakischen Stellungen im Süden abgeworfen. Eine Cluster Bomb Unit (CBU) besteht aus mehreren Sprengsätzen in einer Bombe und wird als Behälter abgeworfen. Vor dem Aufschlag werden über 200 kleinere Bomben frei gesetzt. Damit kann eine Fläche von 150 mal 350 Metern leer gesprengt werden. In der Regel sind zehn Prozent der dosenförmigen Sprengkörper Blindgänger mit jahrelanger Lebenszeit - sie reagieren bei der geringsten Berührung.
Links:
GlobalSecurity.org
Files:
Dieser Artikel/rtf.
|
 |

hier kannst du Kommentare zum artikel abgeben
 |
 |
musik |
 |
literatur |
 |
film |
 |
theater |
 |
neue medien |
|
 |
 |
 |
|