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* fos

Datum: 06.11.2002

autorIn:Uschi Reiter
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Freie Software und Open Source haben sich zu Schlagworten entwickelt. Beim herkoemmlichen UserInnenverhalten bleibt es aber eher bei Schlagworten. Diese Moeglichkeit alternative Angebote nuetzen zu koennen, setzt meistens Kenntnisse im Umgang mit dem Netz, Software, Server und der Kommunikation mit AdministratorenInnen voraus, um sich dieses Angebotes bedienen zu koennen. Ein Projekt das mehr als eine gute Uebersicht bestehender Opensource Software bietet nennt sich *fos.

U: ! Herbert, du bist mit einem Projekt beschaeftigt, dass ihr *fos* nennt und das ueber Zuwendungen der Bundeszentrale fuer politische Bildung finanziert wird. Es beschaeftigt sich mit der Aufbereitung vorhander Opensource Software inform einer Datenbank. Wie seid Ihr an das Thema herangegangen und was ist eure Intention/Ideologie dahinter.

Der Titel des Projekts ist 'Freie Online Systeme', abgekuerzt '*fos*'. Sinn und Zweck von *fos* ist es, ein Demonstrations- und Evaluationscenter fuer Open-Source- und Freie Software aufzubauen. Ueber eine Website werden Programme, die Kommunikation, Kooperation und Koordination in und mit dem Netz unterstuetzen, a) dokumentiert, b) demonstriert und c) evaluiert.

*fos* ist ein Projekt der 'Bundeszentrale fuer politische Bildung' (Fachbereich Multimedia und IT). Es wird zurzeit von Thomax Kaulmann und mir als Mitarbeiter von artop, einem An-Institut an der Humboldt-Universitaet zu Berlin, durchgefuehrt.

Unter welchen Gesichtspunkten wurden Systeme ausgewaehlt?

Wichtig ist, dass die Systeme, die wir bearbeiten, drei Kritierien erfuellen muessen. Sie muessen unter einer Open-Source-Lizenz (sensu 'Open Source Initiative') veroeffentlicht sein, sie muessen Server- Client-Anwendungen sein und schliesslich einen Browser als Frontend, d.h. web-kompatible Benutzungsoberflaeche einsetzen. Um es kurz zu machen - wir beschaeftigen uns nur mit freier Software, die online ueber das Web eingesetzt werden kann.

Wir legen mit *fos* sozusagen einen Grundstock an, der wachsen und mit der Zeit gehen soll. Das wird aber von dem Engagement und der Kraetivitaet der Community abhaengen, die gerade entsteht. *fos* wird im bootlab sozusagen gebootet;)

Konkret haben wir bis heute insgesamt 65 Systeme ausgewaehlt, die den folgenden 13 Systemklassen zugeordnet wurden: Wiki-Wiki, Weblog, Foren, Web-Mail, Chat-Systeme, Guestbooks, Kalender-Software, Opinion-Polls, Web-Alben zur Verwaltung von Bildmaterial, Bookmark-Systeme zur Verwaltung Links, Groupware, Content-Management-Systeme und Systeme zur automatischen Logfile-Analyse.



Wir bieten mehrere Moeglichkeiten des 'Kennenlernens' einzelner Systeme. In aller Regel ist es moeglich, das System selbstaendig als AdministratorIn kennenzulernen und es mit allen Rechten, die AdministratorInnen auf der webbasierten Benutzungsoberflaeche zur Verfuegung stehen, einzustellen oder zu modifizieren. Selbstverstaendlich kann man das System dann auch als normale'BenutzerIn' kennenlernen, also als jemand, der/die mit dem System umgeht oder umgehen muss, ohne dass er/sie die Vollmachten einer AdministratorIn hat.

Im bootlab (www.bootlab.org) beginnen gerade die ersten BenutzerInnentests der von Euch gesammelten und installierten Softwarepakete. Wie werden diese Tests durchgefuehrt? Muessen die beteiligten BenutzerInnen eine gewisse Erfahrung mitbringen?

Es werden die sieben in Insiderkreisen wohlbekannten Dimensionen Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfaehigkeit, Steuerbarkeit, Erwartungskonformitaet, Fehlerrobustheit, Individualisierbarkeit und Erlernbarkeit geprueft.

Das mit einem solchen automatisierten Verfahren zu betretende Neuland soll schrittweise erobert werden. Zunaechst wird das Verfahren im LAN des bootlab unter kontrollierten Bedingungen erprobt. Die TeilnehmerInnen bekommen eine Aufwandsentschaedigung. Es wird erfasst, welche Aufgabensituationen externe Eingriffe erfordern und dann fuer die folgende 'Online-Evaluation' dementsprechend umgestellt.

Noch ein Wort zu unserer Zielgruppe: Langfristig streben wir an, drei unterschiedliche BenutzerInnengruppen anzusprechen, die als 'AnfaengerInnen', 'Fortgeschrittene' und 'ExpertInnen' beschrieben werden koennen. Momentan ist das Projekt auf die mittlere Gruppe ausgerichtet. Dies bedeutet, dass wir momentan noch davon asugehen, dass die BesucherInnen der Website und auch die Teilnehmenden an den BenutzerInnenstudien vor Ort, bereits ueber grundlegende Kenntnisse zum Web verfuegen und Web-Interfaces zur Administration bedienen koennen. Sie sollten also z.B. wissen, wie man sich einloggt, das ein Reload manchmal Wunder wirkt und solche basalen Angelegenheiten.

Wenn das Projekt fertig gestellt ist, was werden dann die naechsten Schritte sein und wen seht ihr als potenzielles Zielpublikum ?

Grundsaetzlich haengen die naechsten Ausbaustufen von den Zuwendungen ab, die wir fuer zur weiteren Fortfuehrung des Projekts einholen koennen. Es ist angemessen und erwuenscht, den Zutritt zu *fos* auch fuer AnfaengerInnen zu erleichtern und ihnen ueber einen FAQ und spezielle Uebungsaufgaben den Umgang mit den Systemen zu erleichtern. Weiterhin wird eine Internationaliserung des Projekts angestrebt. Vor allem eine englischsprachige Version der Website ist nach unserem Ermessen notwendig. Dadurch wuerde die Zielgruppe erheblich erweitert werden. Momentan kuemmern wir uns um die Zielgruppe der Bundezentrale fuer politische Bildung, naemlich für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung, also für Personen, die in Vereinen, Verbaenden aber auch im Bildungs- und Medienbereich wirken.

Kann open source denn die Netz-Welt verbesseren ?

Dass wir ueberhaupt von sowas wie 'Netzwelt' sprechen ist ueberhaupt erst dadurch moeglich geworden, dass es bestimmte Software gibt, die frei verberfuegbar war und ist. Man stelle sich vor, es haette Programme wie Apache oder Bind nie gegeben....

Welcher Zentrale oder bundesweiten offiziellen Stelle untersteht denn die Bundeszentrale fuer politische Bildung?

Die Bundeszentrale fuer politische Bildung (http://www.bpb.de/) ist eine nachgeordnete Behoerde des Innenministeriums. Im Zentrum der Arbeit der BpB steht die Foerderung des Bewusstseins fuer Demokratie und politische Partizipation. Ergebnis des von der BpB initiierten und gefoerderten Projekts *fos* soll sein, fuer Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Bildungs- und Medienbereich, allerdings auch fuer alle Interessierten, den Zugriff auf qualitativ hochwertige Open-Source- bzw. Freie-Software-Anwendungen einfach, schnell, kostenlos und unbeschraenkt moeglich zu machen.

U:Danke fuer das Interview

Links:
*fos
bpb
datech
bootlab




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