2000 zeichen aus Belgrad
Datum: 19.03.2003
autorIn:Ulrike Stieger
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Nach knapp einer Woche seit Djindjics Tod und ist dieses Thema in den österreichischen Medien schon längst nicht mehr präsent. Wie auch? Der bevorstehende Krieg und die gewohnt turbulente innenpolitische Situation geben genug Stoff für Tageszeitungen. Die politischen Seiten sind also gefüllt. Ganz anders hier in Belgrad. Djindjics Tod ist nach wie vor das wichtigste Thema. Nicht nur im Fernsehen, auch auf den Strassen. Gerade über diese letzten Geschehnisse auf den "Strassen" möchte ich kurz schreiben.
Beginnend bei der Zerstörung eines vor zwei Jahren illegal erbauten riesigen Hauses. Einer der Anführer der Zemun-Gang war der Besitzer und als am Freitag zwei Caterpillar anrückten, sollte wohl der Sturz dieser Gang symbolisch angekündigt werden. Die Bilder im Fernsehen zeigten ein klägliches Bild der serbischen Exekutive, die mit ihren unzureichenden Maschinen an den massiven Mauern kratzten und in einer Syssiphusarbeit das Haus zum Einstürzen brachten. Kein Gutes Zeichen, meine ich, wenn das ‘offizielle Serbien’ solche Akte als Rache für Djindjics Tod initiiert. Abgesehen von der Lächerlichkeit in der Ausführung, ist auch das plötzliche Eingreifen ein sehr infragezustellendes Agieren. Wenn es für den Bau des Gebäudekomplexes keine Genehmigung gab, hätte nicht Djindjics Mord der Auslöser für den Abriss darstellen dürfen.
Zirka 400 Personen, die im Umkreis der mutmasslichen Zemun-Gang stehen sollen, wurden in den letzten Tagen verhaftet. Das harte Durchgreifen von Militär und Polizei zeigt offenbar Wirkung. Zu Beginn wurde in den Medien eine AnhängerInnenschaft der Zemun-Gang von 200 Personen berichtet. Es erscheint mir glaubhaft, dass diese Zahl bewusst niedrig gehalten wurde und der mafiöse Kreis über weit mehr AnhängerInnen verfügt. Allerdings vermittelt die Tatsache, dass Polizei und Militär jedermensch verhaften können kein gutes Gefühl. Dass in diesen Reihen noch vieles im Argen liegt, war doch bislang immer unbestritten.
Djindjic wurde durch seinen Tod zum Volksheld. Das ist unbestritten. Hunderttausende Menschen beim Begräbnis oder das Poster Djindjics in der Auslage des Friseurs von nebenan bezeugen dies. Nun beschwören die nachfolgenden PolitikerInnen Zoran Djindjics Kurs weiterzuführen und verpflichten sich demokratischen Werten. Gerade die ‘Bilder der Strasse’ aber bieten Möglichkeiten zum gegenteiligen Engagement. Die Fahndung nach den Täter sollte damit nicht in Frage gestellt werden. Den Konterpunkt liefert eine Anekdote des heutigen Tages: Ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass mein Logo mit dem Tiger an den ermordeten, selbst als brutal bekannten Militär ‘Arkan’ erinnert. Ich sollte damit vorsichtig sein, hieß es.
Die Ereignisse bringen aber auch eine zivile Initiative zum Erwachen. Die Stadt wird aktuell 'zugepflastert' von Pickerl mit der serbischen Aufschrift: 'DOSTA ZLOCINA! Gradjanke I gradjani Srbije’ (übersetzt: Genug der Kriminalität. Die Einwohnerinnen und Einwohner Serbiens'. Es gibt so viele Menschen, die genug von der blutigen Vergangenheit haben.
Ulrike Stieger
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