2000 zeichen aus Hamburg 02
Datum: 04.11.2002
autorIn:Daniel Steiner
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Knapp 24 Stunden nach Beendigung der Aktionswoche für den Wagenplatz Bambule wurde dieser von der Polizei am Montag, den 4.11. zwischen 6:15h und 9:00h morgens geräumt. Die hamburger Obdachlosenzahl erhöht sich somit um 40. Bei den Protesten gegen die Räumung wurden zwei Personen, beide Redakteure des Freien Radios FSK in Gewahrsam genommen und wegen "Verkehrsgefährdung" angezeigt. Die, als verkehrstüchtig eingestuften, Fahrzeuge und deren BewohnerInnen wurden am Nachmittag dazu aufgefordert Hamburg zu verlassen!
Der, seit 10 Jahren existierende, Wagenplatz stellt laut dem Hamburger CDU/FDP/Schill-Partei Senat, der diese Wohnform bis 2006 ausrotten will, eine ≥Gefahr für Sicherheit und Ordnung„ dar und ist heuer bereits das dritte alternative Wohnprojekt seiner Art, das einer Räumung zum Opfer gefallen ist. Die Solidaritätskundgebungen für die Bambule in der Woche vom 26.10. bis 2.11. waren breit gefächert: Neben täglichen Demonstrationen, Soli-Konzerten und Drumm´n´Bass Partys zeigte das Kino "B-Movie" einen Kurzfilm über die Problematik vor dem eigentlichen Programm, Geschäftsleute des Karoviertels forderten die Erhaltung des Wagenplatzes und Fans des FC St. Pauli stellten sich mittels riesiger Transparente ("BILD: GEDRUCKTE SCHEISSE!") gegen die wagenplatzkritische Boulevardpresse.
Unmittelbar nach Ablauf der Aktionswoche sah sich die Polizei offenbar in der Lage die Politik des Senats durchsetzten. Trotzdem fanden sich ca. 400 Personen ein um gegen die Räumung zu protestieren, angesichts der Polizeiübermacht konnte diese allerdings nicht verhindert werden: die Protestierenden wurden eingekesselt, zwei Redakteure von FSK vorübergehend festgenommen. Der Sender sieht hierin einen massiven Angriff gegen die Pressefreiheit und gegen die Institution Freies Radio.
Die anschliessende Demonstration wurde um 12:00h bei der Universität, trotz Einladung des Asta (ÖH-Pendant), erneut 2 ∏ Stunden eingekesselt. Schließlich durften die BambulebewohnerInnen mitsamt ihren Wagen auf einen Parkplatz im (entlegenen) Stadtteil Hammerbrook abziehen, um dort, wie die Polizei versicherte, die Nacht verbringen zu können. Diese Aktion stellte sich als Falle heraus, dort angekommen wurde eine Bambulebewohnerin, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt festgenommen und die Wagen zwangsweise vom TÜV überprüft. Höhepunkt der Represalien gegen die WagenplatzbewohnerInnen stellt die Forderung des Senats dar, jene Menschen, die über verkehrstüchtige Fahrzeuge verfügen, sollen Hamburg verlassen. Weitere Proteste werden folgen.
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