Globale Aktion
Datum: 29.06.2001
autorIn:Gerhard Klas & Guenther Hopfgartner
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Das Politikverständnis der mexicanischen Zapatisten hat sich ein weltweit operierendes Widerstands-Netzwerk zu eigen gemacht – Widerstand gegen neoliberale Globalisierung: Peoples Global Action (PGA).
Ein weiteres weltweites Netzwerk gegen neoliberale Globalisierung ist Peoples Global Action (PGA). Bei PGA arbeiten in Europa vor allem Gruppen mit, die sich am Politikverständnis der mexikanischen Zapatisten orientieren. Das im Februar 1998 in Genf gegründete Netzwerk lehnt jede Art von Lobbyarbeit ab und veranstaltet stattdessen regelmäßig sogenannte "Global Action Days". Ihre Aktionen sind zum Teil sehr originell, z.B. organisierten sie anlässlich des Kölner G8-Gipfels eine "Interkontinentale Karawane". 500 Bauern, die meisten aus Indien, aber auch Vertreter der brasilianischen Landlosenbewegung MST tourten für mehrere Wochen durch Europa und konfrontierten die Bevölkerung, aber auch die in der EU ansässigen Konzerne mit ihrer Situation. Im Sommer 1999 fand ihre zweite Konferenz im indischen Bangalore statt, denn dort befindet sich die größte Organisation, die sich PGA zugehörig fühlt: die indische Bauernorganisation KRRS, der nach eigenen Angaben ca. zehn Millionen Mitglieder angehören.
Im Gegensatz zu ATTAC gibt es keine formelle Mitgliedschaft von Einzelpersonen. Jeder Kontinent muss allerdings eine verantwortliche Gruppe stellen, die für die internationale Koordinierung der Aktionstage delegiert ist und die internationale Konferenzen mit vorbereitet. In Europa ist das zur Zeit die italienische Gruppe "Ya Basta", die dort vor allem in den Centri Sociali verankert ist und sich der Arbeit gegen staatlichen Rassismus widmet.
Als spektakuläre "Kampf-" und Organisationsform entwickelten die italienischen Ya Basta!-Gruppen das sogenannte Tute Bianche-Konzept: 1993 trugen zum ersten Mal AktivistInnen, die gegen die Räumung des Centro Sociale Leoncavallo protestierten, weiße Overalls. Damals gedacht als Symbol für die "Unsichtbarkeit" marginalisierter rechtloser Gruppen – Obdachlose, illegalisierte MigrantInnen oder auch in prekären Arbeitsverhältnissen Beschäftigte. Ein nicht unwesentliches Detail: Unter den weißen Anzügen trägt man in Mailand und anderen Metropolen Polster aus Schwimmwesten und Schaumstoffmatten sowie Ellbogen- und Knieschoner, dazu kommt zumeist ein Helm und eine Gasmaske. Derart mit "Defensivbewaffnung" ausgerüstet, stellen sich die AktivistInnen den jeweiligen Polizeiketten entgegen. Dies jedoch durchaus vorbereitet und gut organisiert in sogenannten affinity groups. Eine Strategie, die das Konfliktniveau möglichst niedrig halten soll.
"Wir machen unseren Körper zur Waffe. Im Kapitalismus ist der Körper eine Ware, deshalb rufen wir auf, zur Rebellion der Körper!", erklären Tute Bianche-AktivistInnen. Der Rebellion der Körper haben sich mittlerweile auch diverse Gruppen in anderen europäischen Ländern angeschlossen.
Unter dem Dach von PGA organisiert sich auch das NoBorder-Netzwerk, dessen österreichischer Ableger in diesen Tagen mit einer Karawane Grenzcamps und "Orte des politischen Protests" (Salzburg, Genua, Frankfurt, Lendava ... ) mit einander verbindet.
Seit ihrem dritten Aktionstag zur "Milleniumsrunde" der WTO reklamiert PGA, dass es erstmals "einer breiten Allianz" gelungen sei "in der kurzen Geschichte der globalen Aktionstage [..] eine Konferenz der selbsternannten ‘Global Leaders’ zum Scheitern zu bringen und damit einen ersten Sieg zu erringen". (Momo Fischer/Jürgen Kraus – Peoples Global Action – eine kleine Geschichte und die aktuellen Prozesse innerhalb eines weltweiten Netzwerkes). Diese eklatante Fehleinschätzung verweist auf die Schwäche von PGA: ihre Analyse der Kräfteverhältnisse ist zumeist pauschal und undifferenziert. Ist doch das WTO-Ministertreffen nicht in erster Linie an den Protesten gescheitert, sondern wegen interner Differenzen, die sowohl zwischen der EU und den USA, aber auch mit vielen Regierungen aus dem Süden bestanden.
Links:
noborder network
Peoples' Global Action against "Free" Trade and the World
Trade Organisation
yabasta
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