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Sexpo 2000

So billig sicher nicht, Gerfried Stocker!
Festivals, wie die Ars Electronica, leben immer auch von der medialen Öffentlichkeit, die ihnen entgegengebracht wird. Um entsprechende Aufmerksamkeit zu erreichen, ist es nie schlecht, einen kleinen Skandal zu provozieren.
So, oder so ähnlich, dachte wohl auch Ing. Gerfried Stocker, seines Zeichens Künstlerischer Leiter, als er den US-amerikanischen Verhaltensforscher Randy Thornhill zur heurigen Ars einlud.

Thornhill verfasste mit dem Anthropologen Craig Palm das Buch "The Natural History of Rape" (1999). Die Beiden versuchen darin nachzuweisen, dass es Vergewaltigung überall in der Natur gebe, dies habe, so eine Grundthese, mit Macht und Gewalt nichts zu tun. Vielmehr sei es ein Sexualverhalten, das sich im Rahmen der Evolutionstheorie verstehen lasse. Weiters erklären sie, stecke in Männern der evolutionsbiologisch erklärbare Drang zur Fortpflanzung, zur Weitergabe der eigenen Gene, der sie vorantreibe.

Die provokanten Thesen dieses Buches präsentiert Randy Thornhill im Rahmen der Ars 2000. Der "Skandalbringer" darf seine Thesen in einem Vortrag ausbreiten, um für ein bisschen Aufruhr zu sorgen. Ein durchsichtiges, ein wenig einfältiges, aber im Grund doch harmloses Spiel - so könnte man meinen. Leider verhält es sich aber so, dass Festivals wie die Ars, auch Einfluss darauf haben welche Themen gesellschafftlich als diskussionswürdig anerkannt werden. Grund genug uns einzumischen.


"save our sexuality" | von Andi Wahl 08.09.2000
"Das Internet ist ein neuer Raum, der aber nichts am Wesen der Sexualität ändert. Einfach eine neue Spielart. Was aber nicht heisst, dass das Medium Internet keine grundlegenden Auswirkungen auf unsere Sexualität zeitigen wird." Mona Hahn und Oliver Fabel, deren Ars-Beitrag im KUNST RAUM GOETHESTRASSE präsentiert wird, im prairie-Gespräch..

NEIN! | von Judith Laister 08.09.2000
Es kann oft Jahre dauern, bis sexuelle Übergriffe öffentlich angeklagt werden. Wie der Prozess gegen den ehemaligen Windischgarstener Bürgermeister Franz Hufnagl wieder einmal zeigte, sind es vor allem Scham sowie Angst vor Unglaubwürdigkeit und Mitbeschuldigung, die schweigen lassen. In einem als „weiblich“ codierten Körper zu stecken, gilt noch immer als Ursache und stille Legitimation für sexuelle Gewalt. Zeit, den biologischen Geschlechter-Imperativ „Frau!“ wieder einmal in Frage zu stellen..

Vergewaltigung ist gezielte Demütigung | von Autonomes Frauenzentrum Linz 08.09.2000
Seit über 20 Jahren betreibt das Autonome Frauenzentrum Linz eine Beratungsstelle für Frauen mit Missbraucherfahrungen und Opfer sexualisierter Gewalt. Eine Juristin, Sozialarbeiterinnen und eine Pyschologin unterstützen Frauen bei der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse..

Sex & Recht & Polizei | von Walter Kohl 08.09.2000
T.S. ist kein braves Mädchen. Ihr Verhalten ist eines, das von Amts wegen als auffällig bezeichnet wird. Mediziner sprechen von der Symptomatik einer emotionellen instabilen Persönlichkeitsstörung, verbunden mit einer schweren Identitätsproblematik. Mit 13 reißt T.S. das erstemal aus, schwänzt die Schule, treibt sich herum mit Typen vom Rummelplatz. Es folgen erste kleine Eigentumsdelikte, sexuelle Kontakte, meist mit viel älteren Männern, und daraus resultierend Probleme mit der Jugendwohlfahrt..

Wer kann schon gegen die Gene | von Eva Rossmann 08.09.2000
Vergewaltigung ist eigentlich ganz normal, sagt Randy Thornhill. Das gibt es im Tierreich, das gibt es auch bei den Menschen. Es hat mit dem Drang nach Fortpflanzung zu tun. Gemeinsam mit Craig T. Palmer hat er darüber ein Buch geschrieben: „Naturgeschichte der Vergewaltigung“. Da trifft es sich natürlich prächtig, dass die heurige Ars Electronica unter dem Motto „next sex“ steht. Sex sells, das wissen nicht nur die Werbeleute. Und provokante Thesen verkaufen sich bekanntlich auch gut. Die einen empören sich, die anderen freuen sich. Und jedenfalls: Man ist schick und neu und endlich so politisch unkorrekt wie es die FPÖ schon lange postuliert..

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