informationsphase II
Datum: 24.04.2001
Ein ganz besondere Art der Aufklärung
autorIn:Katherine Allram
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das land eröffnet "phase II der information" seiner werbestrategie rund um das theater im berg. so der lh bei der pressekonferenz anläßlich der "filmpräsentation" am 23. Mai. und während wir uns noch wundern, wann zur hölle wir phase I verschlafen haben, stecken wir schon drinnen im videoscreening, und warten auf den "wesentlichen teil, die animation nämlich". doch erst folgt mal ein sehr realer rundflug über unser "schönes land oö, das durch die jahrhunderte von kultur geprägt ist".
den oön war dieses video tags darauf die folgende schlagzeile wert: jeder kann das musiktheater sehen!!! wahrscheinlich sprachen sie damit die 2 von 20 minuten digitaler modellaufbereitung an, oder vielleicht auch das cover, verdammt käsig und mutlos in grau gelb gehalten, verwaschen, und da stanzt sich die fassade ziemlich aufdringlich neben die garage in den berg, mit einer verwegen glasklaren spiegelung in der donau, so als stünde das theater ja eh und schon immer da. die digitale animation ergeht sich in einer schau ins foyer, mit anschließendem blick nach draußen und ein paar wiederholten schwenks durch den großen saal mit anschließendem vorhang auf! für einen recht halbherzig und unverhältnismäßig eingestanzten opernausschnitt.
meine klassik kenntnisse reichen nicht aus, um sagen zu können, um welche oper es sich handelt, sie reichen aber aus, um feststellen zu können, dass es sich hierbei nicht um eine jener zeitgenössischen produktionen handelt, für die das neue musiktheater raum bieten soll. (überzeugt mich! wo ist die probebühne?) ebenso anachronistisch muten die statements an, die im video "das publikum" im foyer des landestheaters abgeben darf, zur notwendigkeit eines neuen adäquaten musiktheaters. oftgehörtes und unwiderlegbares. kein platz, schlechte akustik, nichts, wogegen jemand etwas sagen könnte. das scheint eines der hauptprobleme zu sein in der art und weise der vermittlung des projektes. denn womöglich geht es längst schon nicht mehr darum, ein musiktheater per se in frage zu stellen, sondern vielmehr um den standort, und gerade der präsentiert sich im video dermaßen schlecht. (dieser schiefe, grüne, steinige, ungenützte hang! der muß ja behübscht werden!). mit einem ausschnitt im video sprechen die macher allerdings, wohl eher unbewußt jedoch, genau die standortfrage an: ein schwenk durch die flämmereihalle in der vöest, in der das vöestival stattfindet, findet sich da plötzlich inmitten von beispielen aus dem landestheater. eine halle der schwerindustrie, von der es in dieser stadt genug gibt, adaptiert, nicht hervorragend aber immerhin, um musik im großen, kommerziellen rahmen stattfinden zu lassen. was für ein argument! für oder gegen ein theater im berg? modernes, zeitgenössisches musiktheater zeichnet sich meiner meinung nach unter anderem dadurch aus, dass es überall stattfinden kann, dass es rahmen, die ein tradiertes opernverständnis vorgeben, sprengen will und soll.
nicht, dass das vöestival jetzt herhalten soll, darf, kann, als gelungenes beispiel für zeitgenössisches musiktheater, aber es zeigt, dass orte vorhanden sind, aber die sind zu weit entfernt von der kulturmeile, klar. zurück zum video. es soll als informationsquelle dienen, so der lh, auch und vor allem wahrscheinlich, falls die f mit ihrer forderung nach einer volksbefragung durchkommt (und das wird sie aller voraussicht nach). das video aber ist viel mehr eine schlecht gemachte und vor allem leicht durchschaubare belangsendung als sachliche information. und das ist wahrscheinlich das letzte, was f sympathisanten überzeugen kann. (obwohl, wer will die denn schon überzeugen?) im video sollen dann so honore persönlichkeiten wie karl löbl (ohne brille!), dennis russell-davies (na der wird sich um seinen neuen arbeitsplatz reden) und landestheater intendant michael klügl (verwegen auf der bühne sitzend vor den monitoren zu u2 need love) auch noch die letzten ungläubigen überzeugen (löbl: "natürlich braucht linz ein musiktheater!", na, wenn das kein argument ist).
die statements und ihre macher werden dann von filmkadern umfangen, vorsicht altes medium! und dann noch dazu ungeschickt "eingefroren", was die klugen menschen recht unsympathisch in zeitlupe den mund verziehen und ihre augenlider schamhaft sinken lässt. welcher partei fühlt sich eigentlich der produzent dieses videos zugehörig? wir freuen uns schon auf phase III und IV der information (hat der lh bei der pressekonferenz versprochen)! auf alle fälle: phase II unbedingt anschauen, keinesfalls aber geld dafür ausgeben.
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